save the date tagung 2026

Am 25. und 26. März 2026 fand an der Hochschule Geisenheim University die diesjährige Black2GoGreen Tagung unter dem Titel „Measuring Urban Resilience – Substrates, Monitoring and Ecosystem Services“ statt. Die Veranstaltung wurde von der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen mit 8 Fortbildungspunkten pro Tag (insgesamt 16 Punkte) anerkannt und richtete sich an Fachleute aus Planung, Forschung und Praxis.

Rund 120 Teilnehmende, etwa 20 Vorträge und fünf ausstellende Unternehmen kamen zusammen, um sich zu aktuellen Entwicklungen im Bereich klimaresilienter Stadtentwicklung auszutauschen. Im Fokus standen insbesondere strukturstabile Substrate, Pflanzenkohle, Monitoringansätze sowie die Frage, wie urbane Ökosystemleistungen messbar und vergleichbar gemacht werden können.

In den Vorträgen wurde ein breites Spektrum abgedeckt – von Grundlagen urbaner grüner Infrastruktur über Biodiversität und Klimaanpassung bis hin zu großmaßstäblichen Transformationsprojekten und konkreten Umsetzungsstrategien in Städten. Ergänzt wurde dies durch aktuelle Forschung zu Wurzelraum, Wasserspeicherung, Retentionssystemen und digitalen Methoden wie Remote Sensing.

Neben den fachlichen Inhalten stand vor allem der Austausch im Vordergrund. Die Tagung bot Raum für Diskussion, Vernetzung und ehrliche Gespräche zwischen unterschiedlichen Disziplinen und Perspektiven.Die Tagung 2026 markiert zugleich den Abschluss der im Rahmen der BMUKN-Förderung organisierten Veranstaltungsreihe.

 

Highlights der Tagung

Programm der Tagung

Themenblock 1: Urbane grüne Infrastruktur: Grundlagen, Rahmen und Strategien

Im Vortrag wurden Ergebnisse eines langjährigen Forschungsvorhabens zur Optimierung von Wurzel- und Standraum von Stadtbäumen vorgestellt. Zentrale Erkenntnis ist, dass nicht Wassermangel, sondern mangelnde Bodenbelüftung das Wurzelwachstum begrenzt. Durch gezielte Belüftungsmaßnahmen kann die Wurzelentwicklung sowohl horizontal als auch vertikal gesteuert und in tiefere Bodenschichten gelenkt werden. Die Untersuchungen zeigen, dass sich durch bautechnische Maßnahmen die Wurzelarchitektur gezielt beeinflussen lässt, wodurch Schäden an Infrastruktur reduziert und gleichzeitig die Vitalität der Bäume verbessert werden kann. Zudem eröffnen sich Möglichkeiten, den unterirdischen Raum im Straßenquerschnitt aktiv als durchwurzelbaren Standort zu nutzen. Für die Praxis bedeutet dies, dass durch relativ einfache Maßnahmen wie Belüftungsgräben oder Tiefenbelüftung sowohl die Standfestigkeit als auch die langfristige Entwicklung von Straßenbäumen verbessert werden können. Gleichzeitig lassen sich Pflege- und Folgekosten reduzieren, da Bäume schneller tiefere Bodenschichten erschließen und sich früher selbst mit Wasser versorgen können.

Der Vortrag zeigt Ansätze zur Erfassung und Bewertung von Ökosystemleistungen im urbanen Raum als Grundlage für klimaangepasste Planung. Dabei werden grüne Infrastruktur und Ökosystemleistungen zusammen gedacht und über messbare Indikatoren wie Versiegelung, Verdunstung, Biodiversität und Kohlenstoffspeicherung beschrieben . Im Mittelpunkt steht eine GIS-basierte Methodik, die auf detaillierter Biotop- und Baumkartierung beruht und bewusst so angelegt ist, dass sie für die kommunale Praxis anwendbar ist . Ziel ist es, urbane Räume vergleichbar zu machen und eine belastbare Datengrundlage für planerische Entscheidungen zu schaffen. Die Ergebnisse zeigen deutlich die Bedeutung von Stadtgrün für das Mikroklima und die Lebensqualität. Insbesondere die Beschattung durch Bäume reduziert die thermische Belastung und ermöglicht die Identifikation von Hitze-Hotspots . Gleichzeitig wird das Potenzial zur CO₂-Speicherung sichtbar, wobei allein die untersuchten Stadtbäume rund 465.000 kg CO₂ binden . Der Vortrag verdeutlicht, dass eine systematische Bewertung von Ökosystemleistungen eine wichtige Grundlage für die Entwicklung klimaresilienter Städte darstellt und die gezielte Steuerung urbaner Grünstrukturen unterstützt.

Im Vortrag werden auf Basis simulationsgestützter Untersuchungen die Auswirkungen von Bewässerung und Entsiegelung auf Wachstum, Kühlleistung und Wasserhaushalt von Stadtbäumen unter stark versiegelten Standortbedingungen analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass Bewässerung zu einer deutlichen Steigerung des Biomassezuwachses (+125 %) und der transpirativen Kühlleistung (+43 %) führt, jedoch den Oberflächenabfluss nicht reduziert und somit den Wasserhaushalt nur begrenzt verbessert. Demgegenüber zeigt die Entsiegelung eine deutlich höhere Wirksamkeit: Neben einer signifikanten Zunahme des Biomassezuwachses (+176 %) und der Kühlleistung (+97 %) wird der Oberflächenabfluss reduziert (−31 %). Ergänzend verdeutlichen die dargestellten Landnutzungsszenarien, dass mit abnehmendem Versiegelungsgrad der Abfluss stark sinkt (bis zu −90 %), während die Verdunstung entsprechend zunimmt. Die Ergebnisse belegen, dass die Leistungsfähigkeit urbaner Ökosystemleistungen maßgeblich durch die Verfügbarkeit von durchwurzelbarem Bodenraum und die Kopplung von Wurzel- und Wasserhaushalt bestimmt wird. Entsiegelung und bodenstrukturelle Maßnahmen sind daher zentral für eine langfristig wirksame Klimaanpassung, während Bewässerung eine ergänzende Maßnahme darstellt.

Themenblock 2: Pflanzen, Biodiversität und Klimaanpassung im urbanen Raum

Untersuchungen zur Biodiversität auf Stadtbäumen zeigen, dass sowohl heimische als auch gebietsfremde Arten Lebensräume für zahlreiche Arthropoden bieten. Insgesamt wurden über 90.000 Individuen aus 17 Insektenordnungen sowie Spinnen erfasst. Zudem konnten 57 Wildbienenarten nachgewiesen werden, die auf allen untersuchten Baumarten vorkommen . Die Ergebnisse machen deutlich, dass dominante Arten in unterschiedlichen Baumgruppen auftreten, während Arten der Roten Liste ausschließlich auf bestimmten gebietsfremden Bäumen gefunden wurden. Gleichzeitig wird hervorgehoben, dass Mischpflanzungen aus verschiedenen Baumarten die Biodiversität erhöhen und zur Resilienz urbaner Systeme beitragen . Besondere Bedeutung kommt strukturreichen Grünstreifen und einem kontinuierlichen Blütenangebot zu, die als zentrale Faktoren für die Förderung von Insektenvielfalt identifiziert werden. Darüber hinaus zeigen Auswertungen, dass keine Konkurrenz zwischen Wild- und Honigbienen nachgewiesen werden konnte, sofern ausreichende Nahrungsressourcen vorhanden sind .

Stadtbäume stehen zunehmend unter Druck durch Hitze, Trockenheit und begrenzten Wurzelraum. Viele klassische Baumstandorte bieten weder ausreichend Wasser noch Luft im Boden, wodurch Wachstum, Vitalität und Lebensdauer deutlich eingeschränkt sind. Vor diesem Hintergrund werden neue Pflanzsysteme notwendig, die den realen Standortbedingungen im urbanen Raum gerecht werden . Im Mittelpunkt steht das Schwammstadtprinzip, das durch strukturstabile Substrate und mineralische Tragschichten einen durchwurzelbaren, belüfteten und gleichzeitig wasserspeichernden Untergrund schafft. Niederschlagswasser wird vor Ort gespeichert, verteilt und den Bäumen verfügbar gemacht, wodurch sowohl der Wasserhaushalt verbessert als auch die Kanalisation entlastet wird . Begleitende Untersuchungen mit Lysimetern, Dendrometern und Chlorophyllmessungen zeigen eine gute bis sehr gute Entwicklung der Bäume sowie eine zunehmende Nutzung des gespeicherten Bodenwassers in Trockenperioden. Unterschiede im Wachstum und in der Vitalität zwischen verschiedenen Standorten und Baumarten werden sichtbar, ohne dass sich bisher eindeutige „Verlierer“ identifizieren lassen . Insgesamt wird deutlich, dass die Kombination aus geeignetem Baumartenportfolio und angepassten Substratsystemen entscheidend ist, um langfristig vitale und leistungsfähige Stadtbäume unter veränderten Klimabedingungen zu etablieren.

Stadtbäume stehen zunehmend unter Druck durch Hitze, Trockenheit und begrenzten Wurzelraum. Viele klassische Baumstandorte bieten weder ausreichend Wasser noch Luft im Boden, wodurch Wachstum, Vitalität und Lebensdauer deutlich eingeschränkt sind. Vor diesem Hintergrund werden neue Pflanzsysteme notwendig, die den realen Standortbedingungen im urbanen Raum gerecht werden . Im Mittelpunkt steht das Schwammstadtprinzip, das durch strukturstabile Substrate und mineralische Tragschichten einen durchwurzelbaren, belüfteten und gleichzeitig wasserspeichernden Untergrund schafft. Niederschlagswasser wird vor Ort gespeichert, verteilt und den Bäumen verfügbar gemacht, wodurch sowohl der Wasserhaushalt verbessert als auch die Kanalisation entlastet wird . Begleitende Untersuchungen mit Lysimetern, Dendrometern und Chlorophyllmessungen zeigen eine gute bis sehr gute Entwicklung der Bäume sowie eine zunehmende Nutzung des gespeicherten Bodenwassers in Trockenperioden. Unterschiede im Wachstum und in der Vitalität zwischen verschiedenen Standorten und Baumarten werden sichtbar, ohne dass sich bisher eindeutige „Verlierer“ identifizieren lassen . Insgesamt wird deutlich, dass die Kombination aus geeignetem Baumartenportfolio und angepassten Substratsystemen entscheidend ist, um langfristig vitale und leistungsfähige Stadtbäume unter veränderten Klimabedingungen zu etablieren.

Themenblock 3: Großprojekte & systemische Transformation

Im Zentrum Stockholms entsteht mit dem Projekt Slussen eine der komplexesten städtebaulichen Transformationen der Gegenwart. Der ehemals verkehrsdominierte Knotenpunkt wird schrittweise zu einem vielfältigen Stadtraum umgebaut, der Mobilität, Aufenthaltsqualität und Freiraumgestaltung miteinander verbindet. Neben der Neuordnung von Verkehrsströmen steht insbesondere die Anpassung an den Klimawandel im Fokus. Durch den Umbau wird die Wasserregulierung des Mälarsees verbessert, wodurch Hochwasserrisiken reduziert und die Trinkwasserversorgung langfristig gesichert werden. Gleichzeitig entstehen neue öffentliche Räume, die den Stadtraum stärker vernetzen und besser zugänglich machen. Zentrale Elemente sind neue Plätze und Freiräume wie das Vattentorget, das als Schnittstelle zwischen Wasser, Bewegung und Aufenthalt fungiert, sowie Södermalmstorg und Katarinaparken, die unterschiedliche Nutzungen zwischen urbanem Leben, Erholung und Begegnung ermöglichen. Die Gestaltung verbindet funktionale Infrastruktur mit räumlicher Qualität und schafft neue Beziehungen zwischen Stadt und Wasser. Das Projekt zeigt, wie großmaßstäbliche Infrastrukturmaßnahmen mit Freiraumplanung und ökologischen Anforderungen verknüpft werden können und verdeutlicht die Rolle integrierter Planung für eine klimaresiliente und lebenswerte Stadtentwicklung.

Im Wohngebiet Stein wurde ein anderer Weg gewählt: Regenwasser wird nicht mehr in den Kanal geleitet, sondern bleibt vor Ort und wird über Baumrigolen versickert. So konnte der bestehende Mischwasserkanal unverändert bleiben. Die Baumrigolen übernehmen dabei mehrere Aufgaben gleichzeitig. Sie nehmen das Wasser von Straßen und Wegen auf, reinigen es und speichern es im Substrat, wo es den Bäumen zur Verfügung steht. Insgesamt werden so rund 5.500 m² Verkehrsflächen entwässert. Das System funktioniert im Hintergrund, ist von außen kaum sichtbar, verändert aber grundlegend den Umgang mit Regenwasser. Statt Ableitung steht Nutzung im Vordergrund – Wasser bleibt im System und unterstützt direkt die Entwicklung der Bäume.

Am Homburger Damm in Frankfurt wird ein bisher getrennter und wenig genutzter Raum zu einem zusammenhängenden Platz umgebaut. Ausgangspunkt waren versiegelte Flächen, ein alter Spielplatz und Probleme mit Starkregen auf lehmigen Böden . Durch Entsiegelung, neue Baumpflanzungen und große Grünbeete entsteht ein Ort, der sowohl genutzt als auch wahrgenommen wird. Insgesamt werden 14 neue Bäume gepflanzt und rund 150 m² Fläche entsiegelt. Das Regenwasser wird gezielt in die Grünflächen geleitet, dort zurückgehalten und den Pflanzen zur Verfügung gestellt . Dafür wird die Oberfläche so modelliert, dass Wasser in abgesenkte Bereiche fließt, wo es kurzfristig gespeichert wird. Ergänzend dazu liegen unterirdische Retentionsräume, die Wasser aufnehmen und zeitverzögert wieder abgeben

Mit dem Projekt NEWS wird in Frankfurt ein anderer Umgang mit Bewässerung erprobt. Statt nach Erfahrung wird auf Basis von Messdaten gearbeitet. Sensoren im Boden erfassen Feuchte und Wasserspannung in verschiedenen Tiefen und machen sichtbar, wie viel Wasser den Pflanzen tatsächlich zur Verfügung steht . Diese Daten werden mit Wetter- und Standortinformationen kombiniert und ausgewertet. Daraus entstehen konkrete Empfehlungen, wann und wie viel bewässert werden soll. Erste Anwendungen im Palmengarten zeigen, dass sich Wasser gezielter einsetzen lässt und unnötige Bewässerung vermieden wird . Im Hintergrund läuft ein System, das Daten sammelt, auswertet und in einer Oberfläche zugänglich macht. Perspektivisch soll die Bewässerung teilweise automatisiert werden, sodass Sensorwerte direkt Steuerungen auslösen.

Themenblock 4: Wurzelraum, Substrate und Langzeiterkenntnisse

Mykorrhiza beschreibt die enge Verbindung zwischen Pilzen und Baumwurzeln, bei der beide Partner voneinander profitieren. Je nach Baumart treten unterschiedliche Formen auf, die entweder an der Wurzeloberfläche ansetzen oder direkt in die Wurzelzellen eindringen. Dadurch verbessert sich die Aufnahme von Wasser und Nährstoffen, gleichzeitig steigt die Widerstandsfähigkeit gegenüber Trockenstress, Schadstoffen und Krankheiten . Für den praktischen Einsatz spielt vor allem die Auswahl geeigneter Pilzpartner eine zentrale Rolle. Nicht jede Kombination ist wirksam, und Mischungen können sich gegenseitig hemmen. Entscheidend ist eine gezielte, standort- und artspezifische Anwendung, bei der der Pilz bereits an die jeweilige Baumart angepasst ist. Erfahrungen aus unterschiedlichen Anwendungen zeigen, dass sich Wachstum, Vitalität und Überlebensrate von Bäumen deutlich verbessern können – sowohl bei Neupflanzungen als auch bei geschwächten Beständen. Gleichzeitig wird deutlich, dass Mykorrhiza kein Ersatz für geeignete Standorte oder Substrate ist, sondern nur in Kombination mit funktionierenden Bodenverhältnissen ihre Wirkung entfalten kann.

Wasser ist im städtischen Raum kein gegebenes Gut, sondern oft der begrenzende Faktor für das Wachstum von Bäumen. Was auf dem Papier nach ausreichender Speicherkapazität aussieht, zeigt sich im Alltag anders: Ein großer Teil des Wassers bleibt für die Pflanzen unerreichbar, während ihr Bedarf gerade in warmen Perioden deutlich höher liegt als das, was über Niederschläge nachkommt. Diese Diskrepanz macht sich im Substrat unmittelbar bemerkbar. Klassische Anforderungen und Kennwerte greifen zu kurz, wenn sie nicht unter realen Bedingungen gedacht werden. Entscheidend ist nicht, wie viel Wasser theoretisch gespeichert werden kann, sondern wie viel davon tatsächlich im Wurzelraum ankommt und verfügbar bleibt. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, Substrate bewusster zu entwickeln, einfacher zu lesen und die Bewässerung daran anzupassen.

Die Präsentation zeigt die TFI-Methode zur Sanierung verdichteter Baumstandorte mittels Druckluftinjektion als praxisorientierten Ansatz zur Verbesserung urbaner Bodenverhältnisse. Im Zentrum steht die gezielte Auflockerung verdichteter Böden sowie die Einbringung eines speziell entwickelten, organisch-mineralischen Substrats, wodurch Bodenbelüftung, Wasserinfiltration und Wurzelentwicklung deutlich verbessert werden. Anhand zahlreicher Projekte wird gezeigt, dass sich dadurch die Vitalität, Stabilität und Lebensdauer von Bäumen erhöhen sowie gleichzeitig Funktionen wie Wasserspeicherung, Schadstoffbindung und CO₂-Sequestrierung gestärkt werden. Die Methode trägt damit zur klimaangepassten Entwicklung urbaner Standorte bei und kann als Bestandteil einer „Schwammstadt light“ verstanden werden

Themenblock 5: Forschung, Monitoring & Digitale Methoden

Fernerkundung und digitale Modelle eröffnen einen neuen Blick auf Stadtlandschaften – nicht als abstrakte Systeme, sondern als dynamische Räume, in denen sich Klima, Nutzung und Vegetation ständig verändern. Gleichzeitig wird deutlich, wie wenig wir vielerorts wirklich wissen: Monitoring ist oft lückenhaft, Entwicklungen bleiben unsichtbar, besonders dann, wenn es um Extremereignisse oder langfristige Veränderungen geht. Anhand multispektraler Satellitendaten und darauf aufbauender Auswertungen wird gezeigt, wie sich Stadtvegetation differenziert erfassen lässt. Unterschiede in der Verteilung von Grün, Fragen der Zugänglichkeit oder auch Veränderungen über Jahrzehnte werden greifbar. Ergänzend werden Vegetationsindizes genutzt, um Zusammenhänge zwischen Trockenstress und Baumvitalität sichtbar zu machen und Entwicklungen auf Einzelbaum- sowie Stadtebene vergleichbar auszuwerten.

Fernerkundung ermöglicht es, urbanes Grün erstmals flächendeckend und vergleichbar zu erfassen – unabhängig davon, ob es sich um öffentliche oder private Flächen handelt. Auf Basis hochaufgelöster Satelliten- und Luftbilddaten werden Stadtbäume einzeln kartiert, ihre Kronenfläche, Höhe und räumliche Verteilung bestimmt und in Beziehung zur Landnutzung gesetzt. Darauf aufbauend lassen sich Baumarten klassifizieren und Unterschiede in der Zusammensetzung urbaner Baumbestände sichtbar machen. Ergänzend werden prozessbasierte Modelle eingesetzt, um zentrale Ökosystemleistungen wie Biomasseaufbau, Wasserhaushalt oder Kühlwirkung abzuschätzen und räumlich zu differenzieren. Zusätzlich werden Methoden zur Vitalitätsbewertung entwickelt, bei denen Luftbilder, Satellitendaten und KI-gestützte Auswertungen kombiniert werden, um den Zustand einzelner Baumkronen systematisch zu erfassen und zu bewerten.

Strukturstabile Baumsubstrate werden anhand von Versuchsflächen und Projekten aus Zürich unter realen Bedingungen untersucht. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie überbaubare Standorte so aufgebaut werden können, dass sie trotz Verdichtung ausreichend Wasser, Luft und durchwurzelbaren Raum bieten. Verglichen werden verschiedene Substratmischungen und Aufbauvarianten, um Unterschiede im Pflanzenwachstum, in der Bodenfeuchte und in der Wurzelentwicklung sichtbar zu machen. Dabei wird auch geprüft, inwieweit Materialien wie Lavalit als Alternative zu etablierten Komponenten funktionieren und welche Bedeutung mehrschichtige Systeme im Wurzelraum tatsächlich haben. Die Ergebnisse werden durch Erfahrungen aus der Umsetzung von Schwammstadt-Ansätzen ergänzt, bei denen Substrate, Wasserführung und Konstruktion eng zusammen gedacht werden. Gleichzeitig zeigen sich praktische Herausforderungen im Einbau und in der technischen Umsetzung, die für die Anwendung solcher Systeme entscheidend sind.

Themenblock 6 Substrate, Pflanzenkohle & Funktionale Bodensysteme

Pflanzenkohle wird im Beitrag als vielseitiger Bestandteil von Substraten betrachtet, dessen Wirkung stark vom jeweiligen Einsatzkontext abhängt. Ausgangspunkt ist die physikalische und chemische Struktur der Kohle, die Wasser- und Nährstoffretention, Porosität sowie mikrobielles Bodenleben beeinflussen kann und damit gezielt dort eingesetzt wird, wo bestehende Limitierungen im System auftreten. Unterschiedliche Ansätze der Anwendung werden gegenübergestellt – von klassischen Mischungen mit Kompost bis hin zu experimentellen Systemen, bei denen Pflanzenkohle ohne organische Zuschläge eingesetzt und gezielt über Flüssigdüngung aktiviert wird. Dabei zeigt sich, dass insbesondere die Kombination mit geeigneten Nährstoff- und Mikroorganismenquellen entscheidend für das Pflanzenwachstum ist. Ergänzend werden praxisnahe Anwendungen vorgestellt, etwa die Beimischung von Pflanzenkohle in Aushubmaterial als „Vor-Ort-Substrat“, die Tiefenlockerung verdichteter Böden oder der Einsatz in Hanglagen zur Verbesserung der Wasserverfügbarkeit. Die Beispiele verdeutlichen unterschiedliche Wege, Pflanzenkohle in funktionale Bodensysteme zu integrieren.

Pflanzenkohle wird im Beitrag als Baustein einer urbanen Kohlenstoffsenke betrachtet, der über klassische Anwendungen im Boden hinausgeht. Ausgangspunkt ist der Pyrolyseprozess, bei dem Biomasse in stabile Kohlenstoffformen überführt wird, die langfristig gebunden und in unterschiedlichen Systemen eingesetzt werden können. Neben der Nutzung in Substraten und Böden wird insbesondere die Integration in technische Infrastrukturen thematisiert. Am Beispiel von Asphalt wird gezeigt, wie Pflanzenkohle als Zusatzstoff eingesetzt werden kann, um Emissionen zu reduzieren und gleichzeitig Kohlenstoff dauerhaft zu speichern. Pilotprojekte und erste Anwendungen verdeutlichen das Potenzial, aber auch die Anforderungen an Materialqualität, Normierung und Zertifizierung. Damit wird ein erweitertes Verständnis von Pflanzenkohle deutlich, das sie nicht nur als Bestandteil von Bodensystemen, sondern als Teil einer größeren, infrastrukturellen Strategie zur CO₂-Bindung im urbanen Raum einordnet.

Das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) ist ein zentrales Förder- und Maßnahmenprogramm der Bundesregierung zur Stärkung von Ökosystemen als Kohlenstoffsenken. Es umfasst 10 Handlungsfelder und 69 Maßnahmen mit einem Gesamtvolumen von rund 4,5 Mrd. € und läuft von 2023 bis 2029. Ziel ist es, den Zustand von Ökosystemen zu verbessern und dadurch deren Resilienz sowie ihre Klimaschutzleistung zu erhöhen. Natürlicher Klimaschutz wird dabei als Wiederherstellung und Nutzung intakter Ökosysteme verstanden, die CO₂ aus der Atmosphäre aufnehmen und langfristig speichern. Gleichzeitig entstehen Synergien wie Klimaanpassung, Förderung der Biodiversität und positive Effekte auf Gesundheit und Lebensqualität. Für Kommunen relevant sind insbesondere Förderprogramme wie KfW 444, die Maßnahmen wie Entsiegelung, Baumpflanzungen, naturnahe Grünflächen und Regenwassermanagement unterstützen. Das Programm wird aktuell weiterentwickelt, mit einem stärkeren Fokus auf Wälder, Moore und Böden als zentrale Kohlenstoffspeicher.

Emir Hasanagic

Emir Hasanagic

Projekt manager Black2GoGreen

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